Bild: Dieter Röllke (vorne links), Rolf Weber (r.) und Klaus Knipscheer (hinten links) von der Lokalen Agenda mit Dieter Dittmer und Margret Hartmann, die von dem Starkregen in Wengern schwer getroffen wurden. Rolf Weber zitierte im Gespräch mit Pressevertretern den Sachbuchautor Jared Diamond, der in seinem Buch "Kollaps" analysiert, wie menschliche Gesellschaften zunächst ihre Umwelt zerstören und sich damit ihre eigenen Lebensgrundlagen vernichten. Foto: Stadt Wetter (Ruhr).

Überflutete Straßen, umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller und verstopfte Gullis: Der  Starkregen am 20. Juni führte zu bangen Momenten im Stadtgebiet und insbesondere in Wengern sorgte das durch den Starkregen verursachte Hochwasser für einige Stunden des Ausnahmezustands. Der Arbeitseinsatz und die finanziellen Auswirkungen waren enorm: Der ehrenamtliche Arbeitseinsatz von THW und Feuerwehr lag bei 200 Arbeitstagen, die Stadt Wetter (Ruhr) musste gemeinsam mit dem Stadtbetrieb Kosten von 120.000 Euro tragen. Insgesamt ist ein nachvollziehbarer finanzieller Schaden in Höhe von mindestens 1,08 Millionen Euro entstanden. So steht es in dem BerichtKlimafolgen-AufwandWetter (Ruhr), den nun Rolf Weber und Dieter Röllke von der Lokalen Agenda Wetter 21 in Zusammenarbeit mit der Stadt Wetter, dem Stadtbetrieb, der Feuerwehr, dem THW und der DLRG vorgelegt haben.

Wie wirkt sich die Klimaerwärmung direkt auf die Menschen in Wetter aus? Diese Frage steht am Anfang des Klimafolgen-Berichtes. Ausgehend von dem Starkregen-Ereignis am 20. Juni analysieren und beschreiben die Autoren Rolf Weber und Dieter Röllke die Klimafolgen für das Jahr 2013. Sie plädieren dafür, dass Verantwortliche in Politik und Wirtschaft die Schadensentwicklung aufgrund extremer Wetterereignisse als Grundlage für ihr Denken und Handeln berücksichtigen sollten. Allerdings seien den Autoren „von staatlicher Seite aus keine Statistiken bekannt.“ Das vorhandene Risikopotential der Klimaerwärmung werde „derzeit weder wahrgenommen noch diskutiert, geschweige denn bei der Formulierung von Gesetzen zur Eindämmung der Klimaerwärmung berücksichtigt.“ Mit dieser Sichtweise kämen die Verantwortlichen in der überregionalen Politik ihrer Verpflichtung zur Aufklärung und zum Schutz der Bevölkerung vor der Zunahme extremer Wetterereignisse nicht nach. „Um diesen Mangel in der öffentlichen Diskussion zu beseitigen, ist es dringend erforderlich, dass ein systematisches Monitoring der Extremwetter-Schäden durchgeführt wird“, so die Autoren.

Dabei macht Wetter nun den Anfang: Die Lokale Agenda 21 Wetter wird, in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Stadtbetrieb, der Feuerwehr, dem THW, der DLRG, den jeweils betroffenen Bürgern und den kooperationsbereiten Versicherungsmaklern für Wetter die Schäden aufgrund extremer Wetterereignisse jährlich erheben und darüber berichten. Hierzu stellt beispielsweise die Feuerwehr ihre entsprechenden Einsatzberichte zeitnah zur Verfügung. Auf diese Weise soll erstmals für das Jahr 2014 eine möglichst vollständige Übersicht des Klimafolgen-Aufwandes für das Stadtgebiet von Wetter erstellt werden. „Aufgrund der ermittelten Daten wollen wir der örtlichen Politik für die Zukunft eine Informationsgrundlage bieten, um die notwendige Geschwindigkeit des Umstiegs auf 100 Prozent erneuerbare Energien besser beurteilen zu können“, so Weber und Röllke.

Der erste Bericht über den Klimafolgen-Aufwand für das Jahr 2013 liegt nun vor. Die Zahlen beeindrucken: Der Arbeitseinsatz der beteiligten Einsatzkräfte lag allein beim Starkregenereignis vom 20. Juni 2013 bei 200 Arbeitstagen, die Kosten der Stadt und des Stadtbetriebes lagen bei 120.000 Euro und die nachvollziehbaren Versicherungskosten insgesamt bei 1,08 Millionen Euro. Der detaillierte Bericht verdeutlicht die Entwicklung der Pegelstände im Juni 2013, zeigt die private Aufzeichnung der Niederschlagsmenge in der Markstraße 36 am 20. Juni (55 Liter pro Quadratmeter) und listet regionale Zeitungsberichte zu Unwetterereignissen auf. Der Bericht ist angereichert durch zahlreiche Anlagenetwa Daten und Hintergründe zum Klimawandel in NRW, Zahlenmaterial von NRW- und Bundesbehörden sowie eine Dokumentation der Klimapressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes vom März 2014.

„Ich möchte mich ausdrücklich bei Rolf Weber und Dieter Röllke für diese faktenreiche Analyse bedanken. Damit geben sie nicht nur der örtlichen Politik eine sehr hilfreiche Informationsgrundlage an die Hand, sondern sind mit ihrem Klimafolgenbericht auch ein Vorreiter und ein Vorbild für die Region“, erklärte Bürgermeister Frank Hasenberg.